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Evangelische Kirchengemeinde
Kirchhörde

Konfirmationen 2005


Einen Radiobericht über die Predigt gibt es hier zum anhören. (mp3 2,7 MB)

Jesus Christus spricht:

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Predigt über Matthäus 28,20: 

 

Pfr. Schneider: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Ge­meinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.

 

Pfr. Nitzke: Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Paten, Verwandte und Freunde der Konfirmanden, liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden!

Jetzt ist es so weit, in der ersten Reihe sitzen erwartungsvolle junge Leute. Geschniegelt und gebügelt, wie man so sagt, fein gemacht. Für manchen ist es sicher ein schwerer Schritt gewesen, für so einen Tag die gewohnte Jeans gegen eine Anzughose zu tauschen und die ausgetretenen Turnschuhe für neue, noch nicht richtig eingelaufene, elegante Schuhe einzutauschen, und einige die hier sitzen, sehe ich, glaube ich, zum ersten Mal ohne Mütze.

Haben wir euch nun genötigt, euch zu verkleiden? Seid ihr in eine Rolle geschlüpft, die für euch fremd ist? Vielleicht war es zunächst ein bisschen ungewöhnlich, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Aber ich habe ja auch mitbekommen, das manche ganz froh waren, über das, was ihr heute anhabt, einer hat mir bei den Elterngesprächen stolz den Bügel mit seinem Anzug gezeigt. Das geht nicht nur euch so. Als ich neulich in einer Umkleidekabine stand und dies und das anprobierte, weil ich doch wieder eine neue Größe brauchte, da war neben mir in der Kabine ein Konfirmand. Nicht aus unserer Gemeinde, in Dortmund werden ja noch mehr konfirmiert. Die halbe Familie war angerückt, um den Jungen zu beraten. Und nachdem anfänglich etwas Maulen aus der Kabine nebenan an mein Ohr drang, änderte sich das mit jedem neuen Anzug, den der junge Mann anprobierte. Erst mussten Mutter, Tante und Oma ihm noch beibringen, dass man den Bund einer Anzughose nicht in den Kniekehlen trägt. (Wer weiß, was mein Kabinennachbar sonst so getragen hat?) Und dann wuchs die Begeisterung, schließlich musste der Konfirmand die Familie überzeugen, dass dieser Anzug ja nun wirklich echt scharf sei.

Vielleicht ging es euch ähnlich. Ob Junge oder Mädchen, das feierliche Aussehen, heute macht auch deutlich, dass etwas passiert mit dem heutigen Tag. Ihr habt einiges über den Glauben kennen gelernt, ihr habt Gottesdienste besucht, selbst einen gestaltet. Mit dem heutigen Tag seid ihr in Glaubensdingen selbstständig. Und traditionell ist die Konfirmation der Tag, in dem die Kindheit beendet ist. Nun geht es mit schnellen Schritten auf das Erwachsensein zu.

Was wird aus mir? Was bringt die Zukunft. Ich habe neulich ein Lied gehört, in dem genauso gefragt wurde. Hört mal mit mir rein:

wo gehn wir hin? wo komm' wir her?

was ist der sinn? ist da noch mehr?

gibts da n tunnel? ist da ein licht?

ey mann, was fragst du mich? ich weiß es nicht

Ja, das ist die Frage: „Wo gehn wir hin? wo komm' wir her?“ Das ist auch eine Frage, die wir uns hier in der Kirche stellen, und wenn sie auch die Fantastischen Vier auf EinsLive oder MTV stellen, dann ist es ja wohl auch eine Frage, die Jugendliche interessieren könnte. Es ist ja eben nicht so, das es nur ums Äußerliche geht. Der neue Anzug, das neue Kleid, schön und gut, aber was geht in mir drin vor.

Wofür lebe ich eigentlich? „Was ist der Sinn? Ist da noch mehr?“ Alles fängt schon damit an, dass man auf die Welt kommt.

du wirst geboren - da ist das licht

dein erster tag - versau das nicht

dein letzter tag - du hasts versaut

und du wirst geboren und das weißt du auch

und du wirst geboren - was machst du draus?

pflanzt n baum, baust n haus

ziehst da rein, schaust da raus

atmest ein und atmest aus

„Geboren“ heißt der Titel, den die Fantastischen Vier da singen. Und genau darum geht’s. Irgendwann wird man geboren, irgendwann erblickt man das Licht der Welt, man wird nicht vorher gefragt, geht ja auch nicht. Aber vielleicht wird man hinterher gefragt? Kann das sein, dass am Ende des Lebens einer fragt, „Was hast du draus gemacht?“. Der Lebenslauf, der im Lied geschildert wird, ist doch eigentlich gar nicht so schlecht. Ein Haus bauen und einen Baum pflanzen, das ist das, was von einem Menschen erwartet wird. In dem Haus soll natürlich eine Familie wohnen, und der Baum ist ein Symbol dafür, dass man der Nachwelt etwas Schönes hinterlassen hat. Reicht das nicht? Manch einer muss dafür schwer arbeiten. Manch einer nicht, der hat das schon alles:

und du wirst geboren - blaues blut

abitur? nicht so gut

dank deinem titel aber schick gelebt

dick geworden und nix bewegt

und du wirst geboren - kerngesund

siehst zum sterben keinen grund

deine erben warten vergebens

denn du wirst geboren und du bleibst am leben

Dem einen fällt das Glück in den Schoß, der andere muss es sich schwer erarbeiten. Der eine hat nichts bewegt, der andere einen Baum gepflanzt. Ist es das, wonach ich gefragt werde?

Und wer fragt da eigentlich und wann?

wo gehn wir hin? wo komm' wir her?

was ist der sinn? ist da noch mehr?

gibts da n tunnel? ist da ein licht?

ey mann, was fragst du mich? ich weiß es nicht

Ich weiß es manchmal auch nicht. Sind wir Menschen selbst dafür verantwortlich, was kommt? Was ist das für ein Tunnel, was ist das für ein Licht? Ist es das, was die Leute erzählen, die schon mal kurz vorm Sterben waren? Und wenn ich nichts aus meinem Leben gemacht habe? Sehe ich dann kein Licht?

„Was fragst du mich? ich weiß es nicht!“

Mit dem neuen Konfirmationsanzug sehe ich ziemlich erwachsen aus, aber heißt das nun, dass ich jetzt diese ganzen Fragen am Hals habe? Muss ich mich um das alles jetzt selbst kümmern? Gut, im Unterricht hat man einiges gelernt: 10 Gebote halten, Gott lieben, den Nächsten lieben, alles schön und gut, aber manchmal denke ich, Gott lässt uns mit dem allen ganz schön alleine. Es wird ein schönes Fest gemacht, ich bekomme auch schön was geschenkt, aber nun kann ich sehen, wie ich mit dem allen klar komme. Irgendwie macht sich der liebe Gott die Sache ganz schön einfach, schickt uns auf die Welt und fragt uns dann am Ende, wie’s gewesen ist. War das alles?

„Ey Mann, was fragst du mich, ich weiß es nicht!“

Pfr. Schneider: Das ist die Antwort der Fantastischen Vier. Recht unbefriedigend, wie ich finde. Die Fragen sind Klasse; sie weisen hinein in das, was wirklich wichtig ist. Aber die Antwort? „Ich weiß es nicht.“ Kann man danach leben und Orientierung finden? Natürlich nicht … Vielleicht kann uns ein anderer Song wei­terführen; ein Lied, dessen Text von Joan Osborne ist und das gesungen wird von Alanis Morissette, die in diesem Monat – wie schon im April - ja wie­der live auf deutschen Bühnen zu hören ist.

If God had a name, what would it be

And would you call it to his face

If you were faced with him in all his glory

What would you ask if you had just one question

And yeah yeah God is great yeah yeah God is good

yeah yeah yeah yeah yeah

What if God was one of us

Just a slob like one of us

Just a stranger on the bus

Trying to make his way home

Auch dieses Lied ist voller Fragen. Fragen, die auf den ersten Blick ganz anders zu sein scheinen als die von den Fantastischen Vier. „Wenn Gott einen Namen hätte, wie würde er dann heißen? Und würdest du ihn dann auch damit anreden, wenn du ihm begegnest in all seiner Macht und Herrlichkeit?“ Fragen, die aber in die gleiche Richtung weisen wie die aus dem ersten Lied.

Ich möchte diejenige herausgreifen, die als Refrain dieses Liedes immer wiederkehrt: „What if God was one of us?“ Was, wenn Gott einer von uns wäre? Und weiter könnte man den Text übersetzen: Wenn er genauso normal wäre wie wir? Wie ein Fremder im Bus auf dem Weg nach Hause …

Was, wenn Gott einer von uns wäre? – Muss man nicht als Christ darauf antworten: Ja, er ist doch schon einer von uns gewesen. In dem Menschen Jesus Christus ist doch Gott zu uns gekommen. In ihm ist Gott doch einer von uns geworden. Das feiern wir zu Weihnachten, ja eigentlich in jedem Gottesdienst … Was fragt Alanis Morissette so danach? Es ist doch schon passiert! - Ich denke, sie fragt deswegen danach, weil es so unbegreiflich ist, so unvorstellbar …

If God had a face what would it look like

And would you want to see

If seeing meant that you would have to believe

In things like heaven and in jesus and the saints and all the prophets

And yeah yeah god is great yeah yeah god is good

yeah yeah yeah yeah yeah

„Wenn Gott ein Gesicht hätte, wie würde er dreingucken? Und würdest du ihn anschauen wollen?“

Das Gesicht, das Jesus hatte, sein Blick, ist es das, wovon Alanis Morissette hier singt? Oder steckt nicht doch noch mehr dahinter? Ist das Gesicht Jesu nicht auch nur das eines Menschen? Gilt nicht für das Göttliche, das uns in Jesus nahe kommt, das es letztlich doch unsichtbar bleibt? - Wie sich das Menschliche und das Göttliche in Jesus Christus verhalten, darüber ist schon viel diskutiert worden – und das will ich hier auch nicht alles nachzeichnen, keine Sorge. Aber eins ist mir bei dieser Sache ganz wichtig: Die Nachricht, dass Jesus Gottes Sohn sei, dass Gott Mensch geworden ist, das heißt für mich – unabhängig davon, wie ich mir das vorstelle und ob ich mir das überhaupt ausmalen will – das heißt für mich: Gott will sich ums uns Menschen kümmern. Er interessiert sich wirklich für uns. Er sitzt nicht irgendwo fernab im Himmel, in den Weiten der Galaxis, in den unendlichen Fernen des Weltalls und lässt den Menschen Mensch sein, nein, er will wirklich wissen, wie es uns geht. Wie es jedem und jeder von uns geht, was in uns vorgeht, was uns bewegt. Das interessiert ihn. Und um das nachzufühlen, deswegen ist er uns auch ganz nah gekommen. Die Nachricht, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist: Das heißt nicht, dass Gott etwa verrückt geworden wäre und dass er seine Position aufgegeben hätte, nein, das meint: Gott weiß, wie uns zumute ist – er weiß, wie es ist, wenn wir uns freuen; und er weiß, wie es ist, wenn wir traurig sind.

What if God was one of us

Just a slob like one of us

Just a stranger on the bus

Trying to make his way home

He's trying to make his way home

Back up to heaven all alone

Nobody calling on the phone

Except for the pope maybe in rome

„Allein kehrt er in den Himmel zurück“, so heißt es in diesem Lied. „Und niemand ruft ihn an, höchstens noch der Papst in Rom.“ Und gleich, ob hier nun der kürzlich verstorbene oder auch der neue Oberhirte unserer katholischen Mitchristen gemeint sein könnte: Das ist einfach wenig Nach­frage nach Gott, wenn nur der Papst noch sich für ihn interessiert! 

Gott, ein Fremder unter uns Menschen, der dann wieder allein zurückgekehrt in sein Reich; aber das ist ja nicht alles. Damit wären die Fragen nach dem Sinn, die Fragen der Fantastischen Vier vom Anfang, vielleicht unsere Fragen, ja nicht sonderlich toll beantwortet …

Da muss man noch etwas ergänzen: Nämlich, dass Gott uns Menschen durch diese ganze Aktion – durch dieses So-sein-wie-wir - , dass er uns dadurch den Weg frei gemacht hat, nämlich den Weg zurück in sein Paradies. Den Weg, der vielleicht durch einen Tunnel mit einem Licht am Ende führt, und der in Gottes ewiger Welt mündet; dort, wo wir alle einmal merken werden: Mensch, es hat doch alles einen Sinn gehabt. Auch wenn ich ihn als Jugendlicher, ja selbst als Erwachsener nicht recht spüren konnte, da ist tatsächlich etwas, das diesem Ganzen einen Halt, einen Zusammenhalt und damit auch einen Sinn gibt: nämlich Gott.

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden, jetzt, wenn ihr durch die Konfirmation einen wichtigen Schritt macht auf das Erwachsensein zu, dann sind damit nicht schlagartig alle Fragen gelöst. Vieles wird euch auch als ältere Menschen nicht loslassen oder an bestimmten Stellen eures Lebens wieder neu beschäftigen. Aber dieses eine wünschen wir Pfarrer euch immer dabei: Dass Ihr wirklich in eurem Leben immer darauf vertrauen könnt, daran glauben könnt, dass es einen Gott gibt; einen Gott, der diesem Ganzen einen Sinn schenkt. Dass es jemanden gibt über diese unsere sichtbare Welt hinaus, der uns in allem trägt und der über uns Bescheid weiß. Möge dieser Glaube, den ihr gleich öffentlich mit dem Glaubensbekenntnis als den euren bekennen werdet, möge euch dieser Glaube euer Leben hindurch begleiten und euch immer wieder neu zuwachsen, solltet ihr euch einmal von ihm entfernen.

And yeah yeah God is great yeah yeah God is good

yeah yeah yeah yeah yeah

ey mann, was fragst du mich? ich weiß es nicht

Pfr. Nitzke: Ist ja doch gut, dass wir nicht aufhören zu fragen. Irgendwie hört sich das so an, wie das, was wir im Unterricht gelernt haben: „Jesus Christus spricht: ‚Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!’“

Pfr. Schneider: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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