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Evangelische
Kirchengemeinde Konfirmationen 2004 |
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Fotos und Namen der Konfirmanden:
Jubilate 2.5.2004 - Kantate -9.5.2004 - Rogate 16.5.2004
Eine Kurzform der Predigt als Radioandacht gibt es hier (auch zum anhören).
„Bitte, lieber Gott, du kriegst das doch hin!“
Predigt über Matthäus 7,7-8.
Pfr. Schneider:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Gemeinde,
ungefähr eindreiviertel Jahre Konfirmandenzeit liegen jetzt hinter uns. Wenn wir zurückblicken, dann ist diese Zeit für die allermeisten von uns, wenn nicht für alle, viel schneller vergangen als wir das vorher gedacht haben. Und in dieser Zeit haben wir uns mit allerlei Themen beschäftigt – mit ganz unterschiedlichen Themen, die aber alle eins gemeinsam hatten: Sie hatten alle irgendwie mit der Frage nach Gott zu tun.
Und das ist ja auch ganz klar: In der Konfirmandenzeit geht es eben um die Kirche und das Christentum - und damit auch um die Frage nach Gott.
Aber – und daran denkt man vielleicht gar nicht: Nicht nur in der Kirche redet man von Gott. Und nicht nur wir Pfarrer sprechen von Gott; sondern von Gott reden und singen auch ganz andere Menschen. Menschen, von denen man es nicht unbedingt erwartet …
Audio (0:47): Müde schleppt der alte Mann, die Last hinter sich her. Der Lauf der Zeit hat Berge angehäuft. Das so viele an ihn glauben, grade das macht es so schwer. Er hat doch schon so viele enttäuscht. Zuerst war alles einfach nur ein Experiment, allerdings mit nur einem Versuch.
Pfr. Nitzke:
Die Pfarrer machen es sich mal wieder einfach. Es ist Konfirmation und sie sollen eine ordentliche Predigt halten, und was tun sie? Sie spielen eine CD ab und meinen: Das reicht. Nun, einfach ist das nicht. Mit der Auswahl von Musik kann ich mich mehr in die Nesseln setzen als mit einer „normalen“ Predigt. Da weiß jeder: Der Pfarrer erklärt jetzt in Ruhe warum und wieso man ein ordentlicher Mensch sein soll, das dauert so seine 15 bis 20 Minuten und danach können wir wieder aufwachen.
Das wäre einfach gewesen, aber so. Ich sehe es schon wieder kommen. Die Omas sagen bestimmt hinterher, „So was hätte es bei uns früher nicht gegeben!“, und die Konfirmanden sagen: „PUR kann man sich doch nicht anhören, das ist doch was für Omas!“ Nun ja, wenn’s nur den Eltern gefällt, damit kann ich auch leben, die bezahlen schließlich den ganzen Spaß heute!“
Aber noch mal zum Thema „einfach“! Wenn ich so ein Lied höre, wie das eben, dann kann ich einfach nicht verstehen, warum wir Pfarrer uns das Leben so schwer machen. Die ganze Zeit versuchen wir den Kindern beizubringen, was es heißt, an Gott zu glauben. Er hat uns erschaffen, er schenkt uns das Leben. Er ist für uns da und so weiter! Das wirft natürlich Probleme auf.
Das fängt schon damit an, dass sich garantiert einer meldet und sagt: „Also, mein Biolehrer sagt, das stimmt alles gar nicht, dass Gott die Welt erschaffen hat!“ Ja, und dann beginnen unsere Probleme. Krabbelgottesdienst und Kinderbibelwoche ist ja ein Klacks dagegen, einem 13jährigen zu erklären, warum es Gott doch gibt.
Das kann ich nicht wirklich als einfach bezeichnen. Aber dann kommt da so eine Gruppe und macht einfach ein Lied darüber. Der ganze Konfirmandenunterricht in 7 Minuten. Und überhaupt: Wie können moderne Menschen Gott als einen alten Mann bezeichnen? Über dieses Stadium sind wir doch längst hinaus! Gott ist weder Mann noch Frau und seine Ewigkeit reicht weit über das Alter eines alten Mannes hinaus.
Aber in einem haben diese PUR-Leute Recht! Dass so viele an Gott glauben, grade das macht es so schwer. Normalerweise klagen wir Pfarrer: „Keiner glaubt mehr so richtig an Gott!“ Aber die Menschen klagen auch, junge wie alte: „Warum lässt Gott das zu? Warum gibt es Krankheiten und Kriege? Warum gibt es Unfälle und Ungerechtigkeiten?“ Wenn keiner an ihn glauben würde, würde keiner so fragen! Hat Gott wirklich die Menschen enttäuscht?
Audio (0:37): Er wusste nicht ob es wahrhaftig ein Segen wird oder ein irreparabeler Fluch. Er gab ihnen das Feuer und die Freiheit zu denken, zu glauben und zu verstehen. Doch dann entdeckte er zu spät, das Denken war nicht zu lenken, ein Fehler im System.
Pfr. Schneider:
Ein Fehler im System – ja, so kommt es uns vor, wenn wir an all das Schreckliche, an das Böse und Schlimme in unserer Welt denken. An die lebensbedrohlichen Krankheiten, die einen befallen können, aber auch an die Kriege, die in unserer Welt geführt werden, und an den Terrorismus, der in den letzten Monaten ja mehrmals menschenverachtend zugeschlagen hat.
Ein Fehler im System? Gar ein irreparabeler Fluch? Ich glaube, dass Gott von vornherein wusste, dass das Denken „nicht zu lenken“ war – wie Hartmut Engler, der Sänger von PUR, es ausdrückt. Und das dies auch der Grund dafür war, warum Gott – so heißt es ja in der Bibel – den ersten Menschen im Paradies untersagte, vom so genannten Baum der Erkenntnis zu essen. Vom Baum freien Denkens sozusagen.
Dass Adam und Eva dies dann doch taten, das hat einen Knacks zwischen Gott und den Menschen gegeben. Die Menschen wollten frei sein, frei im Denken und im Verstehen. Und Gott hat ihnen, Gott hat uns letztlich diesen Wunsch auch erfüllt.
Aber wirklich frei zu sein, das bedeutet eben auch immer, frei von Gott zu sein – und das schließt die Möglichkeit mit ein, zu falschen Entscheidungen zu kommen - und zu bösem Handeln. Ich glaube, Gott hat gewusst, dass das so nicht gut gehen kann. Dass dies das Ende der paradiesischen Zustände vom Anfang bedeuten würde.
Und deshalb redet die Bibel ja auch im Zusammenhang der Schöpfungsberichte davon, dass das Paradies verloren gegangen ist. Und damit eben das sorglose Leben, der Einklang zwischen Mensch und Natur und auch der Einklang zwischen den Menschen untereinander.
Gott wusste, dass dieses Leben in Freiheit – und das heißt eben, ohne dass er ganz direkt dabei ist – dass dieses Leben große Probleme mit sich bringen würde. Aber er hat deshalb auch dafür gesorgt, dass es für uns durchaus auch die Möglichkeit gibt, ihm unsere Nöte und Probleme zu klagen.
Audio (0:39): Bitte lieber Gott hörst du sie beten.
Bitte lieber Gott du kriegst das doch hin.
Bitte lieber Gott und Frieden auf Erden,
lass sie nicht hängen und schenk diesem Ganzen den Sinn.
Pfr. Nitzke:
Ist es wirklich schief gegangen? Ist der Mensch wirklich der Betriebsunfall der Schöpfung? Wenn das stimmte, dann wäre die Lage wirklich ernst. Dann müsste man sich Sorgen machen, und dann wäre es hoffnungslos, nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Wenn man sich Gott vorstellt wie einen Erfinder, der guckt, ob sein Experiment funktioniert, dann können wir ja mal vergleichen, wie das so bei uns funktionieren würde.
Es ist noch nicht so lange her, genau war es am ersten Weihnachtstag im letzten Jahr, da warteten die Menschen auf eine Nachricht aus dem Weltraum. Die Europäer haben eine Sonde auf den Mars geschickt und nun antwortet sie nicht. Beagle heißt das Ding. „Beagles sind treue und zutrauliche Hunde, die ihrem Besitzer viel Freude bereiten.“, so habe ich gelesen, aber nicht dieser. Er bellt nicht einmal, er kann nicht das Wichtigste, was man im Weltraum können muss. Und seit E.T. wissen wir, was das ist: „Nach Hause telefonieren!“ Dieser Beagle zu Weihnachten, das war ein gescheitertes Experiment. Rausgeschmissenes Geld, Millionen Steuergelder einfach weg.
Aber das Experiment „Mensch“ ist nicht gescheitert, es ist noch Hoffnung da. Er ist vielleicht nicht immer so treu wie ein Hund und bereitet seinem Schöpfer nicht so viel Freude. Aber eines kann er: „Nach Hause telefonieren!“.
Traditionell nennt man das „Beten“, „Gott anrufen“, „IHN um Hilfe bitten“. Wenn das noch klappt, dann ist das Experiment nicht sinnlos, dann kann man noch was machen. Vielleicht steht es deshalb so in der Bibel: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
„Bitte lieber Gott“, - so einfach ist das! Mann muss es nur mal versuchen. Wenn man es nicht versucht, dann kann’s auch nicht klappen. Ein kurzes Signal reicht: Bitte, lieber Gott, lass uns nicht hängen, du kriegst das doch hin! Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Jesus hat das gesagt. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn meistens wissen wir nicht, wie wir auf Empfang gehen sollen. Wir können zwar „Bitte“ rufen, „Danke“ sagen und uns auch mal bei ihm beklagen. Aber wie empfangen wir seine Antwort? Manchmal scheint es, als wüssten wir die Frequenz nicht, auf der unser Schöpfer sendet.
Aber wir dürfen nicht aufgeben. Der Kontakt zur Basisstation ist das Wichtigste. Wenn ich denke, „Nur weil ich manchmal kein Netz habe, gebe ich das ‚Nach-Hause-Telefonieren’ ganz auf!“, dann werde ich nie eine Antwort empfangen. Nicht aufgeben, immer wieder versuchen, und wenn es nur ganz kurz ist: „Hilf mir, lieber Gott!“
Audio (0:52): Er half wo er nur konnte mit all seiner Kraft und Macht, doch das reichte nie, erschöpft überschätzt. Er hat als Hilfe zu Selbsthilfe aber und das mit Bedacht, so manches klare Zeichen gesetzt. Den Weg aus dem Schlamassel, aus dem Chaos zu finden, das kann er für die Welt nicht allein. Jeder muss ihn für sich suchen, keiner sieht für die Blinden, keiner kann ohne Hoffnung sein.
Pfr. Schneider:
Gottes Antworten auf unsere Gebete fallen aber manchmal durchaus auch anders aus, als wir uns das vorher vorgestellt haben. Die schlechte Note in der Schule lässt er vielleicht trotzdem zu, wenn wir meinen, zu wenig Lernen durch ein Gebet ausgleichen zu können. Und die Niederlage bei einem sportlichen Wettkampf wird er vielleicht trotz inständigen Betens nicht verhindern. Denn schließlich ist es ja nur zu unserem Besten, wenn wir durch diese Niederlagen dann doch zum Lernen oder zum Trainieren kommen.
Gott ist eben nicht wie ein Automat, der auf Knopfdruck einen bestimmten Wunsch erfüllt. Und deshalb kann schon mal der Eindruck entstehen, dass Gottes Hilfe nicht ausreicht – wie Hartmut Engler singt.
Die Konsequenz, die er aus seiner Sicht der Dinge zieht, die ist aber auch aus christlicher Sicht nur zu unterstützen: Er hat Recht damit, wenn er uns Menschen auffordert, unseren eigenen Beitrag zum „Weg aus dem Schlamassel“ zu leisten. Er hat Recht damit, wenn er uns dazu anhält, das Chaos nicht völlig ausarten zu lassen. Denn damit es hier auf Erden wirklich besser wird, sind wir gerade auch als Christen aufgerufen, mitzuhelfen. Wir alle.
Aber - und das weiß auch die Gruppe PUR – eins können die Menschen mit ihren Möglichkeiten nicht erreichen: Dem Ganzen einen Sinn zu schenken. Und die Menschen am Ende wieder zurückzuführen ins Paradies. Das kann nur Gott allein.
Und dass er das auch tatsächlich machen will, das hat er uns unserem Glauben nach durch Jesus Christus versprochen. In dem, was Jesus gesagt hat, sehen wir ja den Willen Gottes ausgesprochen.
Und Jesus hat in seiner Bergpredigt dem Gebet die Verheißung gegeben, die wir vorhin schon gehört haben: Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Damit gibt Jesus den eindeutigen Hinweis: Wer im Gebet sein Anliegen vor Gott trägt, der darf auf eine Antwort Gottes vertrauen – auch wenn die vielleicht seltsam ausfallen mag.
Und wer bei Gott wirklich anklopft, der wird nicht hängen gelassen, der wird nicht im Regen stehen gelassen. Sondern der bekommt im Gegenteil viel Kraft für sein Leben geschenkt – und am Ende wird ihm dann auch wieder die Tür zum Paradies geöffnet.
Dass Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, die Kraft, die aus dem Gebet kommt, immer wieder neu spürt, und dass Ihr das Vertrauen auf unseren guten Gott, der Euch auch durch Euer weiteres Leben leiten will, dass Ihr dieses Vertrauen niemals verliert, das wünschen wir Euch als Eure Pfarrer von Herzen.
Ganz oft haben wir zusammen gebetet. Erinnert Euch manchmal daran!
Video (1:36):
(Kids)
Bitte lieber Gott hörst Du uns beten,
Bitte lieber Gott du kriegst das doch hin,
Bitte lieber Gott und Frieden auf Erden,
lass uns nicht hängen und schenk diesem Ganzen den Sinn.
(Hartmut)
Bitte lieber Gott hörst du sie beten,
Bitte lieber Gott du kriegst das doch hin,
Bitte lieber Gott und Frieden auf Erden,
jedem das Seine und allen den göttlichen Sinn.
(Kids)
Bitte lieber Gott du kriegst das doch hin,
bitte lieber Gott und Frieden auf Erden,
(Kids & Hartmut)
lass Sie nicht hängen und schenk diesem Ganzen den Sinn.
Pfr. Nitzke:
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.